Für mehr Gründungsgeist an Schulen
Nuria Rocabert Aragones, Projektleiterin der Initiative „Ich mach mich selbstständig“ (IMMS) bei der IHK Berlin

Wie können junge Menschen ermutigt werden, eigene Ideen zu entwickeln und unternehmerisch zu denken? Darüber sprachen wir mit Nuria Rocabert Aragones, Projektleiterin der Initiative „Ich mach mich selbstständig“ (IMMS) bei der IHK Berlin. Im Interview erzählt sie, warum Unternehmergeist bereits früh gefördert werden sollte und warum sie sich als Partnerin der Gründungswoche Deutschland engagiert.
Liebe Nuria, Du bist Projektleiterin der Initiative „Ich mach mich selbstständig“ bei der IHK Berlin. Was verbirgt sich dahinter?
Die Initiative IMMS – „Ich mach mich selbstständig“ – richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse sowie an Hoch- und Berufsschulen. Im Mittelpunkt steht die direkte Begegnung mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die in Schulen aus erster Hand über ihren persönlichen Weg in die Selbstständigkeit berichten. Dabei erzählen sie, wie ihre Geschäftsidee entstanden ist, welche Chancen und Herausforderungen mit einer Gründung verbunden sind und wie ihr Unternehmensalltag konkret aussieht.
Welche Impulse möchtet ihr den Jugendlichen dabei mitgeben?
Die Jugendlichen erhalten Einblicke in die verschiedenen Möglichkeiten beruflicher Selbstverwirklichung und lernen, dass neben einer klassischen Ausbildung, einem Studium oder einer angestellten Tätigkeit auch die Selbstständigkeit ein möglicher Berufsweg sein kann. Die Veranstaltungen finden in Form von Vorträgen, Gesprächen oder Workshops statt und sollen Schülerinnen und Schüler dazu anregen, eigene Ideen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und unternehmerisches Denken und Handeln zu erproben. Auf diese Weise möchte IMMS Entrepreneurship Education stärken und bei jungen Menschen Interesse, Mut und Begeisterung für Unternehmertum und Gründung wecken.
Welche Angebote bietet Ihr unter dem Dach der diesjährigen Gründungswoche Deutschland?
Unter dem Dach der Gründungswoche Deutschland 2026 sind zwei Angebote geplant. Zum einen ist IMMS bei der deGUT am Donnerstag, den 8. Oktober, von 16:30 bis 17:30 Uhr auf der Founders Stage als Jury vertreten. Beim Pitch-Event „The Next Big Thing: Gen Z erobert die Gründungsszene“ präsentieren junge Schulteams ihre Geschäftsideen. Das Event wird von Gründung in school gemeinsam mit dem Berliner Netzwerk „Unternehmergeist in die Schulen“ veranstaltet, wobei das Publikum live mitentscheiden kann.
Zum anderen findet am 10. November 2026 in Berlin eine interaktive Veranstaltung für Jugendliche ab der 10. Klasse in den Räumlichkeiten der IHK Berlin, dem Ludwig-Erhard-Haus, statt. Ziel ist es, Unternehmertum und Entrepreneurship Education praxisnah zu vermitteln und Jugendliche dabei zu unterstützen, eigene Potenziale und Ideen zu entdecken.
Was erwartet die Jugendlichen bei dieser Veranstaltung konkret?
Verschiedene Initiativen und Netzwerke des Initiativkreises „Unternehmergeist in die Schulen“ stellen ihre Angebote vor und beziehen die Jugendlichen aktiv ein. Nach einer gemeinsamen Begrüßung und einer Keynote junger Gründerinnen und Gründer durchlaufen die Teilnehmenden verschiedene Stationen zu Themen wie Ideenfindung, Geschäftsmodellentwicklung, Marketing und Finanzierung. Anschließend entwickeln sie in Gruppen ein eigenes fiktives Start-up und präsentieren dieses in kurzen Pitches vor einer Jury. Zum Abschluss gibt es bei Snacks und Getränken Gelegenheit zum Netzwerken und zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten.
Was ist aus Deiner Sicht das Besondere an der Gründungswoche Deutschland und warum lohnt es sich, sich als Partnerin oder Partner an der Initiative zu beteiligen?
Die Gründungswoche Deutschland zeichnet sich vor allem durch die hohe Sichtbarkeit, das gemeinsame Momentum und das starke Community Building aus. Sie schafft eine bundesweite Plattform, auf der unterschiedliche Akteure rund um Gründung und Unternehmertum zusammenkommen, ihre Angebote sichtbar machen und gemeinsam Aufmerksamkeit für das Thema schaffen. Für Partnerinnen und Partner bietet die Initiative die Möglichkeit, das eigene Engagement einem breiten Publikum zu präsentieren, neue Kontakte zu knüpfen und Teil eines starken Netzwerks zu werden.
Warum ist es aus Deiner Sicht so wichtig, das Thema Unternehmertum in Schulen zu bringen?
Gründungen und Selbstständigkeit sind in Deutschland wichtige Treiber für Innovation und wirtschaftlichen Wohlstand. Deshalb ist es wichtig, jungen Menschen frühzeitig zu zeigen, welche Chancen und Möglichkeiten unternehmerisches Denken und Handeln bieten. Schulen sind dafür ein zentraler Ort: Hier können Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Ideen und Potenziale entdecken, Eigeninitiative entwickeln und erste Einblicke in die Welt der Gründung und Selbstständigkeit erhalten. Genau hier möchten wir ansetzen und den Unternehmergeist bereits früh fördern.
Welches Potential bietet der Gründungsstandort Deutschland und was können wir gemeinsam tun, um die Gründungskultur in Deutschland nachhaltig zu stärken?
Um die Gründungskultur nachhaltig zu stärken, braucht es zwei Dinge: gute Rahmenbedingungen und einen frühen Zugang zum Unternehmertum. Politik und Verwaltung müssen Gründungen durch weniger Bürokratie, digitale und schnelle Verfahren sowie verlässliche Rahmenbedingungen erleichtern. Gleichzeitig sollten junge Menschen bereits in der Schule mit Unternehmertum in Berührung kommen. Genau hier setzt IMMS an.
Vielen Dank für die Antworten!
Das Interview führte Stephanie Kropf, Leiterin der Gründungswoche Deutschland im RKW Kompetenzzentrum.
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