Wir ziehen alle an einem Strang

Interview mit Klaudia Gehrick, Projektmanagerin bei der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam

Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam ist die zentrale Schnittstelle für Unternehmen, Investoren und Gründer. Sie unterstützt aktiv bei Ansiedlungen, berät beim Start in die Selbstständigkeit und vernetzt Wirtschaft mit Wissenschaft. Wir haben mit Klaudia Gehrick, Projektmanagerin bei der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam, gesprochen. Im Interview erzählt sie u.a. davon, wie wichtig das Netzwerk der Gründungswoche Deutschland ist – einer der Gründe, sich als Partnerin der Aktionswoche zu engagieren.

Liebe Frau Gehrick, Sie sind Projektmanagerin bei der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam. Welche Angebote bieten Sie Gründungsinteressierten?

Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam ist die erste Anlaufstelle für alle Gründerinnen, Gründer und Start-ups. Wir bieten Gründungsinteressierten u. a. umfassende Informationen zum Wirtschaftsstandort Potsdam, niedrigschwellige Erstgespräche, Hilfe bei der Businessplan-Entwicklung, Unterstützung bei Fördermittelanträgen und Zugang zu unserem Netzwerk – dem Gründerforum Potsdam. Und auf unserer Gründungsplattform gruenden-in-potsdam.de haben wir alle Angebote, Infos und Termine von uns und unseren Partnern gebündelt. Besonders am Herzen liegt uns, dass niemand allein bleibt: Ob Studierende, Quereinsteigende oder erfahrene Fachkräfte – wir begleiten auf dem individuellen Weg in die Selbstständigkeit.

Als Projektmanagerin für Existenzgründungen bin ich täglich im Austausch mit unseren Netzwerkpartnern, Gründungsinteressierten, Start-ups und etablierten Unternehmen. Meine Aufgabe ist es, das Gründungsökosystem der Stadt zu gestalten, Ideen Raum zu geben, Hürden kleiner zu machen und Transparenz zu schaffen. Das mache ich natürlich nicht alleine, denn hinter der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam steht für mich vor allem eines: ein Team, was etwas bewegen will und Gründungsideen wachsen lässt.

Welche besonderen Angebote stellen Sie Gründungsinteressierten unter dem Dach der Gründungswoche Deutschland in Ihrer Region bereit?

In Potsdam finden das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Rahmen der Gründungswoche versuchen wir alles noch einmal kompakter zu bündeln und setzen auf eine Mischung aus Inspiration und Praxis. Unser jährlicher Potsdamer GründerTag zum Beispiel bringt alle Partner an einem Tag zusammen und zeigt gebündelt alle Angebote zum Gründen und Wachsen. Besonders wertvoll finde ich die persönlichen Geschichten, die in diesen Tagen geteilt werden – sie machen Mut und zeigen: Gründen ist machbar.

Welche Themen brennen den Gründerinnen und Gründern, die zu Ihnen kommen, momentan denn besonders unter den Nägeln? Welche Gründungstrends stellen Sie fest?

Aktuell spüren wir in unseren Beratungen den starken Wunsch nach sinnstiftender und selbstbestimmter Arbeit sowie nach mehr Flexibilität. Viele kommen mit der Frage: „Wie kann ich meine Idee starten, ohne alles zu riskieren?“ – oder mit einer Idee, die schon lange im Kopf und im Herz gewachsen ist.

In Potsdam sehen wir weiterhin einen klaren Trend zu personennahen Dienstleistungen und zu hybriden Modellen: Nebenerwerbsgründungen, digitale Angebote und der gezielte Einsatz von KI als Werkzeug. Gleichzeitig ist Potsdam ein innovativer Standort mit sehr gründungsaffinen Hochschulen. Hier entstehen insbesondere Gründungen im MediaTech- und Life-Science-Bereich sowie zunehmend Impact-orientierte Geschäftsideen.

Besonders erfreulich ist, dass immer mehr Frauen mit einer Gründungsidee zu uns kommen. Das stärkt unser Ziel, ein vielseitiges Unternehmertum in der Stadt zu unterstützen. Gleichzeitig brennt vielen die Bürokratie unter den Nägeln. Viele Vorschriften und Genehmigungsprozesse schaffen Unsicherheit und bremsen gute Ideen aus. Mein Eindruck: Die Ideen sind da, der Wille auch – wir müssen als Gesellschaft nur noch mehr Vertrauen und Erleichterung schaffen.

Als eine der ersten Partnerinnen der Gründungswoche Deutschland sind Sie quasi seit Beginn an dabei. Welchen Vorteil sehen Sie darin, Teil des Netzwerks der Gründungswoche Deutschland zu sein?

Seit Beginn dabei zu sein, ist für mich persönlich etwas Besonderes. Die Gründungswoche Deutschland schafft eine bundesweite Klammer für die Themen Gründungskultur und Unternehmenswachstum und zeigt: „Wir ziehen alle an einem Strang“. Der größte Mehrwert ist das Netzwerk – der Austausch mit anderen Partnern, die gemeinsamen Impulse und die Sichtbarkeit, die wir dadurch gewinnen. Hier könnten wir noch aktiver werden und den Austausch fördern.

Wenn Sie heute selbst gründen würden – in welchem Bereich und womit würden Sie sich selbständig machen?

Wenn ich heute gründen würde, wäre es etwas, das Menschen verbindet und konkret hilft. Vielleicht eine Plattform für lokale Dienstleistungen, die Nachbarschaftshilfe und professionelle Unterstützung zusammenbringt – mit Fokus auf Care-Arbeit, Bildung oder nachhaltige Alltagslösungen. Denn ich glaube fest daran: Die größten Chancen liegen dort, wo Gemeinschaft und Wirtschaft sich treffen.

Was bietet der Gründungsstandort Deutschland und was können wir gemeinsam tun, um das Gründungsgeschehen in Deutschland nachhaltig zu stärken?

Deutschland hat enormes Potential: starke Infrastruktur, vielfältige Förderprogramme, qualifizierte Menschen und ein wachsendes Gründungsinteresse. Um das Gründungsgeschehen nachhaltig zu stärken, müssen wir regional stärker vernetzt denken und agieren – denn Gründungen wirken lokal und tragen maßgeblich zu einer innovativen, wirtschaftsnahen Stadtentwicklung bei. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit für Gründungsgeschichten aller Art: nicht nur internationale Start-ups, sondern auch die kleinen Gründungen, die ein Quartier mit einem Mitmach-Café bereichern. Einfache Prozesse, mehr Vertrauen in hybride Modelle und gezielte Förderung für Frauen, junge Gründende und Unternehmensnachfolge sind dafür zentral.

Vielen Dank für die Antworten!

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Den Überblick über alle Veranstaltungen der diesjährigen Aktionswoche finden Sie hier.