Plötzlich Unternehmerin: Vom Studium direkt in die Unternehmensnachfolge
Interview mit Munay Zamarano, Nachfolgerin

Mit nur 23 Jahren wagte Munay Zamarano den Schritt in die Unternehmensnachfolge – spontan, mutig und ohne langes Zögern. Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam und welche Herausforderungen sie dabei erlebt hat. Zudem gibt sie Einblicke und Tipps zum Nachfolgeprozess und verrät, was das Besondere an einer Nachfolgegründung ist.
Munay, du hast noch während deines BWL-Studiums einen Naturkosmetik-Großhandel aus Berlin übernommen. Wie kam es dazu?
Verrückte Geschichte! Ich war Werkstudentin in dem Unternehmen, das ich später gekauft habe. Die Gründerin hat uns Angestellte eines Tages darüber informiert, dass sie verkaufen will. In diesem Meeting habe ich mich gemeldet und gesagt „Ich kaufe!”. Zu dem Zeitpunkt wusste ich weder, was da auf mich zukommt, noch wie ich das ganze finanzieren soll.
Wie ist es nach dieser spontanen Entscheidung dann weitergegangen?
Allein hätte ich das nicht geschafft. Als erstes habe ich einen Finanzberater damit beauftragt, mir mit der Erstellung des Businessplans und dem Kredit zu helfen. Er wusste genau, wie ein Kreditprozess bankintern abläuft und hat mich bei jedem Schritt begleitet und auf die Gespräche vorbereitet. Trotzdem hat es über neun Monate gedauert, bis ich die Zusage über den Kredit bekam – die Banken hatten große Sorge, dass ich nicht genug Erfahrung mitbringe. Am Ende hat meine Unternehmerpersönlichkeit sie überzeugt!
Was waren die größten Herausforderungen bei der Übernahme?
Alles war eine Herausforderung. Auf einmal musste ich jeden Tag neue Dinge lernen und neue Probleme lösen: Ich wusste zum Beispiel gar nicht, wie ich mit meinen Angestellten kommuniziere und habe erstmal einen Kommunikationsworkshop belegt. Im ersten Jahr war ich nur auf Problemlösung fokussiert und konnte gar nicht weit genug denken, um große Zukunftsentscheidungen zu treffen. Mir hat es unglaublich geholfen, mich mit anderen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zu vernetzen.
Wo hast du wichtige Hilfestellungen bekommen?
Der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern war für mich unbezahlbar. Die ersten Kontakte habe ich damals geknüpft, indem ich online nach Gründer-Events gesucht habe und alleine hingegangen bin. Unternehmertum ist eine Herausforderung, die du nur von innen wirklich begreifen kannst. Es war so schön, als ich andere getroffen habe, die die gleichen Herausforderungen hatten und ähnliche Höhen und Tiefen durchlebt haben. Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden: Ich bin nicht allein damit. Höhen und Tiefen sind im Unternehmertum Normalität.
Du hast das Unternehmen in der Zwischenzeit wieder verkauft. Was war der Auslöser?
Ich habe nach einigen Jahren in der Beauty-Branche gemerkt, dass das nicht die Branche ist, in der ich ein Leben lang bleiben möchte. Externer Auslöser des Verkaufs war dann die spontane Vertragskündigung eines unserer größten Kunden – ich fühlte mich schon in der Branche nicht mehr wohl und war dann nicht bereit, eine Krisenphase durchzustehen.
Dem Thema Unternehmensnachfolge bist du weiterhin verbunden geblieben. Was macht für dich den besonderen Reiz einer Nachfolge-Gründung aus?
Nachfolge ist eine besonders schöne Art der Gründung, weil du bestehende Strukturen übernimmst. Es gibt ein laufendes Geschäft, das im besten Fall auch mit dir erstmal einfach weiterläuft. Du darfst dann – nachdem du dich intensiv ins Unternehmen eingelernt hast –, nach und nach optimieren und neues hinzufügen. Das macht richtig Spaß!
Welchen persönlichen Tipp hast du für jemanden, der mit dem Gedanken spielt, eine Unternehmensnachfolge anzutreten?
Der beste Zeitpunkt ist jetzt. Oft wollen angehende Nachfolgerinnen und Nachfolger warten, bis sie sich „bereit” fühlen, die Nachfolge anzutreten, aber dieser Zeitpunkt existiert nicht. Du wirst dich nie gut genug vorbereitet fühlen. Unternehmertum ist genau das: Machen, obwohl du noch keine Ahnung hast. Offen dafür sein, unterwegs zu lernen. Und die Angst vorm Scheitern aufgeben.
#MutigGemeinsamMachen